BOLOGNA 2020

Wir befinden uns in einer neuen Ära: Die Welt um uns herum hat eine enorme Beschleunigung erfahren und die Geschwindigkeit der sozialen Interaktionen ist exponentiell gestiegen.

Die materiellen Lebensbedingungen und die Lebenserwartung sind enorm gestiegen, ebenso wie die Möglichkeit der Kommunikation und des Aufbaus sozialer Kontakte. Die Technologie hat die Arbeitszeit und die Arbeitsermüdung reduziert und dadurch mehr Raum für die Selbstpflege eröffnet.

Gleichzeitig hat die soziale Beschleunigung und die Erweiterung der digitalen und virtuellen Dimension einen Überschuss an Reizen und Informationen mit sich gebracht, der die Menschheit aus ihrer alten Heimat/Welt entwurzelt. Dies kehrt die Beziehung des Menschen zu seinem Körper um und fördert die Fragmentierung des sozialen Gefüges. Die Dominanz der Technologie erzeugt eine fortschreitende Finsternis gegenüber des eigenen Körpers und des empfundenen Körperbildes.

All dies kann ein Gefühl der Entwurzelung und Entfremdung erzeugen: Die Körperpsychotherapie möchte den Menschen wieder nach Hause zu kommen, indem sie den tiefen Bruch zwischen dem lebenden Körper und seinem virtuellen Bild repariert und so den Sinn wieder mit der Empfindung verbindet.

Die Verdunkelung des Körpers wird in erster Linie durch eine Loslösung von unseren Empfindungen verursacht. Die Empfindungen bilden aber das solide Fundament für die Konstruktion unserer Emotionen. Erst Empfindungen ermöglichen es dem Einzelnen sich lebendig zu fühlen, im Hier und Jetzt zu sein und sich völlig einzigartig zu fühlen: eine Art „kartesischer“ Zustand der selbstverständlichen Wahrheit.

Die Traumaforschung zeigt, wie wichtig es ist, auf die Wiederherstellung des sensorischen Flusses hinzuarbeiten und gleichwohl die Erinnerungen zu integrieren, die das Trauma aus dem Bewusstsein des Einzelnen und seiner persönlichen Kohärenz ausgeschlossen hat.

Dieser Kongress wird die „Verfinsterung des Körpers“ aus verschiedenen Perspektiven untersuchen: phänomenologisch, neurophysiologisch, anthropologisch und psychodynamisch. Dabei wird die Bedeutung der Körperpsychotherapie als besondere Ressource – verglichen mit anderen Therapieansätzen – unterstrichen.

Wir müssen neue Methoden und Behandlungsansätze für klinische Störungen erforschen, und wir müssen neue Paradigmen schaffen, um zu verstehen, wie Psychotherapie in einer Welt, die immer virtueller und unzusammenhängender wird, effektiv sein kann.

Dies ist in der Prävention und der Gesundheitsförderung umso wichtiger: Viele Experten werden mit diesen Veränderungen konfrontiert werden. Neue Herausforderungen und neue Themen werden in den verschiedenen Disziplinen angesprochen, von der Sexualität bis zur Politik, von der Prävention bis zur klinischen Arbeit, von der Ethik bis zur Ökonomie, von der Ökologie bis zu neuen Intelligenzen…. weil eine Zukunft noch möglich ist.